Bildungsministerin Ahnen beweist ihre programmatische Dogmenfestigkeit

By Carsten Jung

Die Eingliederung der Hauptschulen in die Realschulen mit dem wahnwitzigen Titel Realschule plus verkauft die SPD derzeit als großen Wurf – trotz aller Proteste nicht nur des Deutschen Lehrerverbandes. Bei genauerer Betrachtung jedoch ist es nicht nur eine Mogelpackung für die Schülerinnen und Schüler der Schulzweige, sondern auch für die SPD als Ganzes.

Ministerin Ahnen möchte das Gesetz nicht einfach erlassen. Nein, das unterlässt sie tunlichst bei diesem in den Kommunen und bei den Betroffenen durchaus und zu Recht emotionalen Thema. Sie würde sich schnell direkte Feinde schaffen. Sie erlässt also einen Schulentwicklungsplan, den bitte schön die Kommunen umsetzen sollen. Diese haben dann natürlich auch mit allen negativen Resonanzen und Folgen direkt zu tun und die Ministerin ist fein raus. Verlogener kann man es nicht machen.

Die SPD glaubt noch immer, wie schon seit Jahren, dass das Heil der Bildung nicht in der Steigerung der Ausbildungsqualität steckt, sondern in verwaltungstechnischen Planungen und Gleichmacherei. Die SPD konnte in Deutschland noch nie gut mit dem Gedanken leben, dass es größere und kleinere Begabungen gibt. Sie konnte noch nie gut damit leben, dass es – im Falle der Hauptschulen – Anforderungen von Seiten der Ausbildungsbetriebe gibt. Am liebsten wäre ihr es, 100% aller Schüler in Deutschland hätten das Abitur und studierten anschließend, egal welche persönlichen Begabungen bei den einzelnen Schülern vorhanden sind. Selbst wenn handwerkliche Hochbegabungen vorhanden sein sollten – es geht einfach nicht, dass heute noch jemand einen Hauptschulabschluß macht.

Die Idee, die Renovierungsbedürftigkeit einiger Bildungsgänge in der deutschen Schullandschaft durch die Zusammenlegung der Real- mit den Hauptschulen zu erreichen, ist bildungspolitischer Selbstbetrug, wie er seit Jahrzehnten in Deutschland in der ein oder anderen Form gerne betrieben wird.
Bildungsgänge optimiert man nicht durch Revolutionen sondern durch Evolutionen. Man passt sie an die Gegebenheiten des Lebens an, indem man auf die Schüler schaut und auf die Anforderungen, die an sie gestellt werden. Danach sollte man entscheiden, wie die daraus resultierenden Ziele am besten zu erreichen sind. Dies alles sind jedoch inhaltliche und keine verwaltungstechnischen Fragestellungen. Wie die Schulform am Ende aussieht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Fakt ist jedoch, dass die SPD in Person von Frau Ahnen, lediglich einen verwaltungstechnischen Schritt in die Wege geleitet hat, ohne inhaltliche Antworten auf die Anforderungen im Bildungsbereich zu geben.

Dabei hätte sie nur auf ein in Rheinland-Pfalz noch zu Zeiten der Koalition aus FDP und SPD auf den Weg gebrachtes Erfolgsmodell betrachten müssen: die Duale Oberstufe (DOS). Es wird mit der DOS ein erprobtes und sehr erfolgreiches Ausbildungsverfahren im Lande angeboten. Die Schülerinnen und Schüler erlernen das, was am Ende der Schulzeit von ihnen in Theorie und Praxis erwartet wird. Offenbar ist aber Frau Ahnens Ansinnen ein rein Programmatisches und kein auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zugeschnittenes. Einmal mehr erweist sich die SPD in Rheinland-Pfalz als eine Partei, die es nicht versteht, den Menschen eine gerechte Chance zu geben, sondern viel lieber nur Gleichheit.

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